FlagsDer Titelartikel im Spiegel alarmiert über wachsenden Antisemitismus in Deutschland. Gut, dass es erkannt wurde. Schlecht, wie es wieder versucht wird die Jugendlichen “zu heilen” und wie dabei die neuen Klischees aufgebaut werden.

Ich kenne viele in meiner Generation, die absolut nichts mit Antisemitismus zu tun haben und sich durch die Gesellschaft (Schule und Eltern) übersättigt fühlten mit der Holocaust-Thematik und der Schuld der Deutschen. Das Thema wird während der Schulbildung sehr ausgiebig behandelt. Dabei wird wegen der hohen Wichtigkeit und der Prägnanz oft viel zu dogmatisch vorgegangen und viel zu wenig vernünftig und rational erklärt. Das hat zur Folge, dass einige sich unbewusst schämen das Wort “Jude” laut auszusprechen – man könnte ja denken die seien sofort antisemitisch!

Ich denke, man braucht nicht unbedingt zum n-ten Mal das Tagebuch von Anne Frank zu lesen. Es ist zweifellos ein Stück Geschichte, aber trifft wohl kaum den Geist eines 15-Jährigen, der mit Videospielen oder amerikanischen Popkultur aufwächst. Ein geeigneter Ansatz ist gefragt, der sich viel mehr mit der Geschichte, den Gründen, den Ursachen und der Sache an sich auseinander setzt. Ein Schülleraustausch ist eine tolle Gelegenheit eine fremde Kultur kennen zu lernen, aber die ist nicht die Lösung des Antisemitismus-Problems. Vielleicht sagt ein Film “ Die Welle” oder “ The Believer” viel mehr aus, weil dort die Ursachen deutlich dargestellt werden. Vielleicht muss man sich fragen, ob eine Reflexion auf Andere möglich ist? Es gibt leider genug Bespiele, wenn Rassismus die Muslime genau so betraf.

Schon wieder wird aber die Wirkung bekämpft. Die im Artikel dargestellte Ursachen sind: Familien mit muslimischen Migrationshintergrund, ausländisches Fernsehen und schlechte Berichtserstattung aus Israel. Dieser Meinung kann ich mich nicht anschließen, so einfach ist es leider nicht. Ein wichtiges Thema und wieder mal ein Versuch ein “Schema F” zu finden und einzusetzen. Eine schwere Aufgabe, die eine gute Lösung braucht.
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